Willkommen bei der Gänsewacht!

Hallo Herr Hupperich,

hier bei mir auf dem Schrank sitzt eine Lockente. Man kann sie als glückliche Lockente ansehen, denn sie ist aus Holz. Mein Vater hat sie einst geschnitzt, ganz naturgetreu. Sie sitzt jetzt auf dem Schrank als kleines Kunstwerk, denn sie wurde nie eingesetzt, obwohl sie vielleicht andere vor Qualen bewahrt hätte.

Das Widerlichste übrigens, was ich mit Enten bislang erlebt habe, ist die Hundeprüfung mit der lebenden Ente. Eine Prüfung, die auch von Dackeln verlangt wird, obwohl diese ja wohl in den Brau kriechen und nie bei der Wasservogeljagd eingesetzt werden. Dennoch wird für alle Jagdhunde diese widerliche Entenprüfung verlangt, widerlich darum, weil ich erlebt habe, dass 15 x 20 x ja 30 x auf diese Ente geballert wurde, bis sie endlich tot war, denn so einfach ist das Treffen auf dem Wasser nicht. Bei der Entenjagd wird ein dafür ausgebildeter Hund verlangt. Gerade daran hapert es aber auch hier beim Gänsekrieg
[Anm. WH: Gemeint ist die Debatte um die Gänsejagd in Bayern], denn es ist kein Hund dabei.

Jäger können das widerlichste sein, was es gibt. Unfassbar, dass Jagdkollegen lebende Tiere amputieren. Man sollte solche Jäger von der Nachzucht ausschließen und kastrieren. Auch da könnte man sagen, das ist legal und tut auch nicht weh. Vielleicht gibt es dann eines Tages doch noch Jäger die fair und ritterlich mit den Wildtieren umgehen.

Sie schlagen sich ja schon tapfer. Ich möchte hier vom Süden nicht im Norden herumrühren. Machen Sie weiter und bringen Sie die zur Strecke, die keine Jäger sind, denn wirkliche Jäger tun so etwas nicht.

Wenn man anders nicht auf Enten jagen kann, als dass man sie quält, dann muss man eben auf Entenjagd verzichten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Alexander Bajohr

Wolfgang Alexander Bajohr ist professioneller Tierfotograf und lebt in der Nähe von München. Viele exzellent bebilderte Berichte, das Themenspektrum reicht hierbei von bayrischen Graureihern  bis zu finnischen Bären, in verschiedenen Fachmagazinen und –Zeitschriften begründen den hervorragenden Ruf Herrn Bajohrs.  Obwohl Wolfgang Alexander Bajohr selbst Jäger ist, steht er der Wasservogeljagd kritisch gegenüber.