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Jäger und (kupierte) Lockvögel? Kein Problem! Weder ethisch noch juristisch.

Im heutigen „Wecker“ erschien ein Artikel, in welchem es um einen Konkreten Fall des Einsatzes lebender Lockenten geht. In diesem Artikel, welchen wir für Sie im Volltext als PDF bereit gestellt haben,  wird seitens der örtlichen Behörden so wie der Jägerschaft des Landkreises Leer tatsächlich behauptet, das Kupieren der Handschwingen beim Vogel stelle keine Verstümmelung gemäß §19 (5 b) des Bundesjagdgesetzes dar.

§19 (Sachliche Verbote) des Bundesjagdgesetzes sagt im Wortlaut:  

[..
(1) Verboten ist
[.. ..]
5. a) künstliche Lichtquellen, Spiegel, Vorrichtungen zum Anstrahlen oder Beleuchten des Zieles, Nachtzielgeräte, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schußwaffen bestimmt sind, Tonbandgeräte oder elektrische Schläge erteilende Geräte beim Fang oder Erlegen von Wild aller Art zu verwenden oder zu nutzen sowie zur Nachtzeit an Leuchttürmen oder Leuchtfeuern Federwild zu fangen;  
b) Vogelleim, Fallen, Angelhaken, Netze, Reusen oder ähnliche Einrichtungen sowie geblendete oder verstümmelte Vögel beim Fang oder Erlegen von Federwild zu verwenden;
..]

Wenn nun aber das Entfernen von Knochen der Handschwinge bei einem Vogel keine Verstümmelung darstellt (wie es die zuständige Behörde und der Kreisjägermeister behauptet!), kann, man verzeihe mir meinen Zynismus,  auch etwa die vorsätzliche Durchtrennung der Achillessehne (Tendo Achilles) beim Menschen – z.B. um Häftlingen eine Flucht zu verunmöglichen – keine Verstümmelung sein. Alternativ könnte man auch gleich das Rückenmark in Höhe Segment Th 4 durchtrennen. Das wäre vielleicht noch ein wenig effizienter..

Ich bitte also aus, wie oben gezeigt, hinreichend gegebenem Anlass, um die Einforderung einer fachlichen Begründung beim zuständigen Kreisjägermeister (Jan-Wilhelm Hilbrands; Klimpe 1; 26844 Jemgum [Anm.: Hilbrands sagte Übrigens im Kontext der Krähen-Massentötung im Landkreis Leer 2005 ebenfalls: Zitat >>90 Prozent der Bevölkerung sind dafür<<) so wie zuvorderst bei der Kreisverwaltung Leer, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung (Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


Auch wären m.E. sicherlich Leserzuschriften an die Redaktion (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) dringend angezeigt.


Dass das Verbot besagten Kupierens von Vögeln in Teilen der ornithologischen Fachwelt unter des Aspekt im Laufe der Jahre aus der Gefangenschaft entkommener „Exoten“ im Hinblick auf Faunenverfälschung kritisch gesehen wird, ist mir bekannt. Unbestritten hingegen handelt es sich dennoch um eine vorsätzliche Verstümmelung, für welche die Freizeitjagd – auch dies unterstelle ich als unbestritten - aller Gründe schlechtester darstellt.


Sämtliche Literatur definiert „Verstümmelung“ (Multilatio) im Übrigen als „.. [einschränkende] Verletzung des biologischen Körpers durch äußere Einwirkung mit Verlust der körperlichen Integrität“.


Ich halte es für einen nicht hinnehmbaren Missstand, dass sich Hobbyjäger und Behörden ans willkürliche Definieren von Sachverhalten rein auf Grund  lobbyistischer Interessenlagen machen.


Wenn man solche Leute gewähren lässt, dann kann man sich meines Erachtens auch gleich aus jedem ethischen Diskurs verabschieden und sich fürderhin an Vivisektion und Lobotomie erfreuen, welche im jeweils konkreten Fall per Definition der durchführenden Lobby gar keine ist.


Ich bitte im konkreten Fall also sowohl Tier- und Naturschutzverbände als auch insbesondere die Fachwelt um öffentliche Wortmeldung in der Sache. Es ist jetzt notwendig – auch wenn es vorgeblich um „lediglich“ 10 Lockenten im Landkreis Leer geht.


Werner Hupperich