Streifschüsse

Missverständnisse zwischen Jägern und Naturschützern - schnell und schmerzarm aus der Welt geschaft.

07.12.2008 Teil 1: Warum die Stasi selbst 19 Jahre nach der Wiedervereinigung manch Waidmann krank macht.

Eine Kolumne zum Fall "Schwarze Listen" der Auricher Jägerschaft

In der Taz vom 26.11.2008 wetterte der Auricher Oberjäger Claas Janssen über die Unterzeichner einer Petition gegen die Ausweitung der Jagdzeiten auf Gänse in Niedersachsen:"Wenn diese Leute uns Jäger bei der Jagd überwachen wollen, dann sind das Stasimethoden". Zunächst einmal: Gut gebrüllt, Herr Oberjäger. Allerdings leider in das Ohr der falschen Adressaten.

Besagte Stasi ist nämlich gar nicht Stasi, sondern es handelt sich schlichtweg um Leute, welche von ihrem grundgesetzlich garantierten Petitionsrecht gebrauch machten, deren Namen dann missbräuchlich seitens der Auricher Jägerschaft - deren Vorsitz zufällig Ihnen obliegt - zur Erstellung einer "schwarzen Liste" mit den Namen von 80 Unterzeichnern verwendet, anschließend von Ihrer Pressesprecherin mit der Überschrift "Vorsicht!" und "Spione sitzen überall!" versehen unter Ihren Jagdkameraden verbreitet wurden (weitere Details dazu im Offenen Brief an den DJV). 

Nun gehen Sie bitte einmal tief in sich, mental etwa 70 Jahre zurück (das schaffen Sie leicht, Herr Janssen..) und denken Sie mal darüber nach, bei wem und in welchem Zusammenhang die Erstellung "schwarzer Listen" einstmals zum schmutzigen Handwerk gehörte. Kleiner Tip meinerseits: "Stasi" wäre die falsche Antwort.

Wie dem auch sei. Wir halten jedenfalls fest: In Rumpelstielzchenmanier zwar wunderbar herumgepoltert, dabei allerdings völlig Unbeteiligte diffarmiert und an den Pranger gestellt. Darob obendrein bis dato mangels Rückrat noch nicht einmal eine Entschuldigung gegenüber den nachweislich falschen Adressaten Ihres Stasi-Vergleichs zustande bekommen. Wenn Ihr Verein so stümperhaft der Jagd nachgeht wie er zu diffarmieren versucht, kann es ja nur zu Fehlschüssen am laufenden Band kommen. Sehr schlechte Leistung, Herr Janssen: Setzen, sechs!

So ergeht es einem eben, wenn man ebenso undifferenzierend wie pauschalisierend alles in einen Topf zu werfen strebt. Ist ja auch so wunderbar einfach: "Gänsefreunde" und "Gänsewacht" - ist schließlich alles das Gleiche ("..heißt nur anders.."). Angesichts solch geistigen Eintopf-Denkens gilt mein besonderes Mitgefühl sämtlichen Lebewesen welche Ihnen vor Ihre geladene Flinte geraten.

Und, bevor ich es vergesse.. Sie haben noch etwas anderes durcheinander geworfen: Nicht einmal die Gänsewacht  ist "Stasi". Wir, die Gänsewacht, sind zweifellos gleichzeitig Gänsefreunde. Was aber umgekehrt sich hingegen nicht zwingend schlussfolgern lässt. Allerdings liegt es mir fern, Ihr "grünes Abitur" mit schnöder Logik zu unterfordern. Ich schlage daher - da die Gänsewacht sich ganz offensichtlich nicht um Belange der "Staatssicherheit" kümmert - als jägerinterne Bezeichnung für die Gänswacht "GaSi" (für "GansSicherheit") vor.

Sofern Sie damit leben könnten, Herr Janssen: Wir (..die von der "GaSi"..) könnten das auch.

Gegenüber den unbeteiligten Menschen, welche Sie und Ihre Pressesprecherin öffentlich in Ihren Sack Schmutzwäsche steckten, wäre vorher allerdings Ihrerseits noch einiges ins Reine zu bringen. Für eine Entschuldigung dürfte es angesichts der Ihrerseits (vorsätzlich?!) verpassten Gelegenheiten ein wenig spät sein. Da müssten Sie sich also etwas einfallen lassen - vielleicht sogar resultierend im Erkennen eigenen Fehlverhaltens einschließlich daraus zu ziehender Konsequenzen.

Ohne Heil aber dennoch mit Gruß,
Werner Hupperich