Humoriges - wenngleich mit ernstem Hintergrund

Blessteichhuhnhaubentaucherbestimmung

"Hunters destiny" oder Die Kunst ist ihre Bestimmung, aber Bestimmungskunst ist Fehlanzeige.

Reflexionen aus dem Forum der beschädigten Jäger.

Heute: Das UFO ohne roten schnapel (..aber mit weißem Pürzel).

Zueignung: für den jagenden Hotelkoch.

Vorbemerkung: Die hier dargestellten Dämlichkeiten sind weder rein zufällig noch unbeabsichtigt. Der hier zu erlesende Unfug hat sich tatsächlich so zugetragen und ist immer noch im Web zu finden. Mit Rücksicht auf die armen Seelen der Unsinnschmierer haben wir die Namen weitestgehend anonymisiert.

Teichhuhn

 
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B.

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Verfasst am: 22 Jan 2006 09:46    Titel: Teichhuhn  

Hallo! ich habe heute ein Teichhuhn gesehen! ist diese Rallenart selten? außerdem hatte dieses Teichuhn gar keinen roten schnapel. dieser war einfach nur braun-grünlich. Jungvogel?
Bin mir aber eigentlich sicher das es ein Teichhunhn war, weil es grüne ständer hatte und teilweise einen weißen Pürzel!

schreibt doch bitte falls ihr näheres wisst
Kommentar Gänsewacht:

Vermutlich jeder Fünftklässler, welcher zumindest nicht bei jeder zweiten Biologiestunde blau gemacht hat, dürfte nach Lektüre dieses Postings wissen, was der ratlose Waidmann da gesehen zu haben vermutet: Ein Teichhuhn im Jugendgefieder. Dass sich das Erscheinungsbild von Jungvögeln von jenem der adulten Tiere unterscheidet, wurde ihm offenbar im Rahmen seiner waidmännischen Ausbildung nicht vermittelt.Vermutlich hatte der Jagdausbilder nur Fotos von Rallen mit "rotem schnapel", sprich: adulten Teichrallen, zur Hand. Naja, zumindest schließt er nicht vorschnell auf Grund der "grünen Ständer" auf einen Indianer auf seinem Rennrad.. .

Teichhuhn1.jpg

B.



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Verfasst am: 22 Jan 2006 10:31    Titel: Teichhuhn  

nee war kein bläßhuhn! hate ja keine weiße bläße! so wie das hintere huhn auf dem bild sah es aus Teichhuhn

sind die selten?
Kommentar Gänsewacht:

Achtung: Hier stößt der Kandidat auf eine erste heiße Spur. Allerdings ohne es zu merken. Woher soll ein Jäger von Gottes Gnaden* auch wissen, dass in Lexika die Abbildung von unterschiedlichen Entwicklungsstadien einer Art auf ein- und derselben Abbildung üblich ist? Könnt' ja auch sein, dass man z.B. neben einem Pfauenauge die Raupe eines Zitronenfalters abbildet. Böse Enzyklopädie aber auch.. .

Teichhuhn2.jpg

*Steht übrigens in idealtypischer Opposition zu "selbsternannten Vogelschützern".

R.



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Verfasst am: 22 Jan 2006 10:56    Titel: Teichhuhn  

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein weibl. Teichuhn war (jedenfalls nach deiner Beschreibung)! Leider nicht selten !!

Du erkennst den "Teil" der beim Männchen rot ist beim Weibchen als ein braun, dass sich sichtbar von der Gefiederfarbe anhebt. Mit einem Fernglas kannst du erkennen, dass diese Färbung oberhalb des Schnabels wulstig aussieht und bei den Partnern die gleiche Form besitzt!

Gruß und Waidmannsheil

R.
Kommentar Gänsewacht:
Die erste Antwort enthält bereits ein Bedauern, dass Teichhühner nicht selten genug sind. Geradezu preisverdächtig sind aber seine Ausführungen bezüglich der Geschlechtsbestimmung. Hier macht er sich über "rote Teile" des Männchens und "braune" ("Teile") des Weibchens her. Fachlich ausgemachter Blödsinn, da hilft ihm auch kein Fernglas der Welt. Um Hahn und Henne zu unterscheiden, müsste er sie als adulte Vögel erst einmal nebeneinander sehen und die Größe der roten Schildplatte vergleichen (selbst dann ist es schwierig). Unser Fragesteller hatte aber lediglich einen Jungvogel gesehen - und die haben, was ja ursächlich für das Ratespiel war, nun mal noch gar keinen "roten schnapel".

Blesshuhn.jpg
h.



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Verfasst am: 23 Jan 2006 09:24    Titel: Teichhuhn  

Ich bin bin auch sicher, dass es sich um ein Teichhuhn handelt. Auch wenn der Vogel sicher keinen weißen Pürzel hatte, vermutlich auch keinen weißen Bürzel...
Teichhühner haben weiße Unterschwanzdecken, die sie aber sehr hübsch herzeigen können!
Übrigens lassen sich Männlein und Weiblein NICHT so einfach unterscheiden, lediglich der Schnabelschild soll etwas größer beim Männchen sein, ist MIR aber noch nicht wirklich aufgefallen.
Die Beschreibung passt, wie ja auch bereits vermutet, am besten auf einen Jungvogel.
Gruß
H.
Kommentar Gänsewacht:
Immerhin: ein Hinweis, der in die richtige Richtung deutet. Mal sehen, was die Jägersleut' daraus machen..
Ra.



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Verfasst am: 23 Jan 2006 14:15    Titel: Teichhuhn  

Besser kann man es nicht érklären !

Ra.
Kommentar Gänsewacht:
Doch, ein wenig besser ginge das meines Erachtens durchaus.
td.



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Verfasst am: 23 Jan 2006 14:22    Titel: Teichhuhn  

Zitat:
Original erstellt von b.:


....., beim Schwimmen nickt der Kopf vor und zurück => Tuckentchen.



..und zum Thema "Seltenheit". Man kann das gemeine Teichhuhn i. d. R. auf jedem x-beliebigen Stadtweiher beobachten. Gelegentlich auch in Plagenstärke...

ULE
Kommentar Gänsewacht:
Plagen sind immer gemein. Die "Plagenstärke" von Jägern dürfte sich in etwa bei n=1 bewegen..
b.



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Verfasst am: 24 Jan 2006 01:16    Titel: Teichhuhn  

Zitat
Zitat:
Nur die rote Stirnblesse, ein horniges Schild über dem Oberschnabel, ist beim Männchen etwas größer...


Heißt soviel wie: Beide Geschlechter haben ein rotes Schild am Oberschnabel.

Die Unterscheidung ist ganz einfach:

Das Bläßhuhn ist größer, schwarz mit weißer Blässe, vor allem im Winter gesellig, der Schwanz ist wie bei Tauchenten beim Schwimmen nach unten gerichtet, an den Füßen befinden sich Schwimmlappen, keine Häute wie bei Enten.

Das grünfüßige Teichhuhn ist demnach kleiner, dunkel, aber abwechslungsreicher gefiedert, der Schwanz zeigt beim Schwimmen nach oben (wie bei Schwimmenten), an den Füßen befinden sich keinerlei Schwimmhäute oder -lappen, beim Schwimmen nickt der Kopf vor und zurück => Tuckentchen.
Kommentar Gänsewacht:

Nur: der Nachwuchs der Teichrallen hat dummerweise eben kein rotes Schild über dem Oberschnabel. Außerdem sind junge Blessrallen nicht per se größer als junge Teichrallen. Zumal auch bei diesen kein farblich ausgeprägtes Schild an der Stirn zu sehen ist. Was mit "abwechslungsreicher gefiedert" gemeint sein könnte, lässt sich immer-
hin zumindest erahnen.

Das "Tuckentchen" hingegen ist wiederum herzallerliebst. Hier verschafft ein Blick ins (was es nicht alles gibt..) Wörterbuch Österreichisch --> Deutsch Klarheit:

Tuckant(er)l, das; Tuckente, die - Haubentaucher (Flusstaucher, kleiner Steißtaucher)

Österreichisch : Tuckant(er)l, das; Tuckente, die
Deutsch : Haubentaucher (Flusstaucher, kleiner Steißtaucher)

tuckentchen.jpg

Es gibt übrigens - das sei hier keinesfalls verschwiegen - durchaus den Begriff "Duckente". Diese wiederum bezeichnet allerdings: ...eine Blessralle.

Fazit: Was sich im Hinblick auf die Verwechslungsgefahr geschützer / geschonter Arten bei der Gänsejagd andeutete, wird bei der Lektüre der Jägerforen zur traurigen Gewissheit. Selbst die Bestimmung solch häufig anzutreffender und somit allgemein bekannter Wasservögel wie Bless- und Teichralle überfordert manch, nach eigenem Dafürhalten gut ausgebildeten, Waidmann hoffnungslos.

Wer nicht weiß, was er sieht, der kann logischerweise auch nicht wissen, auf was er schießt.

Insofern bietet selbst dieses zunächst erheiternd wirkende Beispiel einer mißglückten Bestimmung in der an sich traurigen Sache als solcher doch recht wenig Grund zur Freude.

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Die Vermemmung der Menschheit – oder: Nilgänse in Jever

eine 2jährige, 2600g schwere Halbgans zeigte in den letzten Wochen in Jever das typische "Jung-Männer-Imponiergehabe", das jeder von uns (nicht nur von Nilgänsen) kennt. Ein paar alberne Scheinangriffe (bevorzugt auf große "potentielle Feinde") und danach das stolze Triumphgeschrei in Richtung Weiblichkeit: "Schau her, was ich kann! Ich bin der Größte"! Daß sich junge Ganter derart selbst überschätzen ist nichts Neues und passiert so, oder so ähnlich jedes Frühjahr Hunderte Male in Deutschland, und nicht nur männliche Gänse und Schwäne zeigen gerne ein solches Verhalten. Neu ist jedoch, daß jemand diese "Gockel" ernst nimmt und ihnen all die Übertreibung der Stärke nicht nur glaubt, sondern sie selbst noch weiter übertreibt.

Dies führt zu absolut erstaunlichen Reaktionen mancher Menschen auf die "gefährlichen" und "aggressiven" Tiere. Noch vor 40 Jahren hätte sich Jedermann, der in solch einem Federvieh eine Bedrohung sieht, zum absoluten Gespött der Leute gemacht. Heute sagt man anscheinend nicht mehr "was für ein Spinner" sondern lieber: "was für ein Gänsemonster!". Und die Stadtverwaltung nimmt das Ganze auch noch ernst und gibt Zeit und Geld aus um das vermeintliche "Problem" zu beseitigen.

Unterstützt wurde die ganze Sache von den Medien, die mit Worten wie "Gefährdungspotential hoch" die allgemeine Hysterie noch steigerten. Bei der Hochstilisierung des jugendlichen Ganters zum "Gänsewüterich" wuchs in den Berichten die Spannweite des "gemeinen" Tieres schnell zum Doppelten an und durch (un?)geschickte Wortwahl wurde das Bild einer realen und großen Gefahr vermittelt. Das Tier – kaum größer als eine Ente, mit nicht einmal 3kg "Kampfgewicht" schien, glaubte man den Berichten, zur Bedrohung der Menschheit zu werden.

Einerseits wurde berichtet, die Gans "bepicke" Passanten, andererseits konnte sie über Wochen von Mitarbeitern der Stadt nicht eingefangen werden, da eine Annäherung auf kurze Distanz nicht möglich war. Zeitungen und Radio berichteten fast täglich über das vermeintliche Phänomen und die Stadt Jever fühlte sich gezwungen eine Vogelfängerin zu engagieren.

"Nils" wurde letztendlich eingefangen – von dieser 166cm kleinen Frau, die keinerlei Schrammen oder blaue Flecken davon getragen hat. Ängstlich, aber gänzlich ohne Aggressivität ertrug er die Verfrachtung und das Beschneiden der Schwungfedern und beim folgenden Freilassen griff er die Menschen, die ihn so behandelt haben nicht etwa an, sondern stellte sich in einiger Entfernung von ihnen hin und betrachtete sie ruhig, verwundert und lange.

Und wer meint, daß die Geschichte damit nun beendet sei, hat sich gründlich getäuscht. Aufgeschreckt durch die Medienberichte haben nun auch andere Bewohner Jevers festgestellt, daß sie in der Nähe von Nilgänsen leben und was jahrelang kaum registriert wurde ist  nun für sie als unerträgliche Gefahrenquelle identifiziert und muß behandelt werden.
Und am Dienstag landete eine Nilgans in Schortens und daraufhin riefen Passanten die Polizei – hier ist so eine Gans, die Menschen angreift.....

Wie es scheint gibt es im Weltbild vieler Menschen keine normalen tierischen Verhaltensweisen, sondern die Fauna wird eingeteilt in "Kuscheltiere" (siehe Eisbär) und "Monster" (Problembär, Nils).
Die Naturentfremdung der Menschen dabei scheint so hoch, daß ein Appell an den gesunden Menschen verstand wohl vergeblich ist – oder???

PS: und an alle, die beim Lesen nun denken: "die hätte die Gans mal sehen sollen....." – ich habe die Gans nicht nur gesehen, ich habe sie gefangen.

Susanne Homma, Schortens