Nachgefragt: Damman-Tamkes Gänsezahlen

In einem Diskussionsrunde des Nordwestradio, zu welcher unter anderem Präsident der Landesjägerschaft und CDU Landtagsabgeordnete Helmut Dammann- Tamke zugeschaltet war, verteidigte Damman-Tamke  die Ausweitung der niedersächsischen Jagdzeiten mit dem Hinweis, dass die .wirtschaftliche Nutzung Teil des Naturschutzes sei, und der Bestand an Saat- und Blässgänsen die Ausweitung der Jagdzeiten in Niedersachsen zulasse. In diesem Zusammenhang sprach Damman-Tamke von einer erheblichen Zunahme Gänsepopulation und nannte für Niedersachsen konkret 1 Millionen Blessgänse und 600 000 Saatgänse. Auf die Frage eines Diskussionsteilnehmers nach der Quelle für diese Zahlen verwies Damman-Tamke auf die Existenz entsprechender wissenschaftlicher Publikationen von Dr. Johan H. Mooij.

Erste Recherchen unsererseits ergaben leider keinerlei Anhaltspunkte für eine solche Populationszahlen von Bless- und Saatgänsen enthaltende, von Dr. Mooij publizierte Arbeit. Aus diesem Grund haben wir uns direkt an Dr. Mooij gewandt und um Aufklärung gebeten.

Gänsewacht: Herr Dr. Mooij, wo genau ist denn die von Herrn Damman-Tamke angesprochene Veröffentlichung, in welcher Sie für Blessgänse eine Population von rund einer Millionen Individuen und bei Saatgänsen von 600.000 Individuen in Niedersachsen feststellen, zu finden?

Johan Mooij: Es ehrt Herrn Damman-Tamke, dass er als Niedersächsische Landtagsabgeordneter das Land Niedersachsen als Nabel der Welt betrachtet, aber in Zusammenhang mit den Beständen der Saat- und Blessgans ist diese Sichtweise nicht ganz haltbar. Aufgrund der großen Mobilität der Gänse innerhalb ihres Überwinterungsgebietes ist es zwar möglich, dass alle im Westen Europas überwinternden Gänse-Individuen sich irgendwann mal in Niedersachsen aufhalten, aber diese Tatsache kann nicht dazu führen, dass die gesamte Westeurasischen Bestände beider Arten von Herrn Damman-Tamke für Niedersächsische Bestände erklärt werden. Zu den Niedersächsischen Gänsebestände habe ich mich im Rahmen der Bundesdeutschen Gänsezählungen 1995 letztmalig geäussert, wobei für die erste Hälfte der 1990er Jahre für Niedersachsen folgende Maximalzahlen ermittelt wurden:

- Graugans: 5.500
-Saatgans: 500-1.000
- Blessgans: 20.000

Für die gegenwärtige Bestandszahlen, braucht sich Herr Damman-Tamke nur vertrauensvoll an dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (Bundesdeutsche Koordinator Gänsezählungen) oder Herrn Dr. Helmut Kruckenberg (Koordinator für Niedersachsen) zu wenden. Dort wird er dann sicherliche erfahren, dass die Niedersächsische Rastbestände der Saat- und Blässgans seit Jahren mehr oder weniger stabil sind und sich für die Saatgans bei 30.000 - 35.000 Vögel und für die Blessgans bei 120.000 - 140.000 Vögel bewegen.

Herr Damman-Tamke irrt übrigens, wenn er denkt, dass eine Bestandszahl als Rechtfertigung für eine Bejagung herhalten kann. Im Norden Kasachstans erreicht der Bestand der Rothalsgans ca. 35.000 Vögel und der der Zwerggans ca. 10.000 Vögel. Nach Herr Damman-Tamkes Philosophie dürfte man diese Bestände bejagen. Da es sich hierbei um den Weltbestand handelt, sieht die Weltgemeinschaft dies jedoch anders!


Gänsewacht: Herr Dr. Mooij, andere Quellen sprechen gegenüber der Aussage Herrn Damman-Tamkes von einem maximal 140.000 Blässgänse umfassenden Bestand in Niedersachsen, welche z.B. bei explizit auf Gänse ausgerichteten landesweiten Synchronerfassungen gezählt wurden. Können Sie sich erklären, wie Herr Damman-Tamke auf eine um den Faktor sieben höhere Zahl bei den Blessgänsen kommt?

Dr. Mooij: Da ich Herr Damman-Tamke keine böswillige und bewusste Falschinformation unterstellen möchte, gehe ich davon aus, dass er falsch informiert worden ist. Man kann ihm, aufgrund seiner herausgehobenen Position als Landtagsabgeordneter und LJV-Präsident nur dringend raten, sich demnächst an der richtige Stelle zu informieren bevor er sich äußert!

Gänsewacht: Vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme Herr Dr. Mooij.