Keine falsche Scham, Schlächter!

Editorial

Derzeit werden vermittelst „Ausnahmegenehmigungen“ gleich in mehreren Regionen Nordrhein-Westfalens Gössel und Elterntiere von Grau-, Nil- und Kanadagänsen geschossen. Die Altvögel befinden sich derzeit in der Schwingenmauser und sind Flugunfähig, die Gössel im Jugendgefieder sind es ohnehin. Auf hilflos am Boden hockende Gänse mit Schrot zu schießen, ist zweifellos eher als Hinrichtung denn als „Waidgerechte Jagd“ zu bezeichnen.

In den seltensten Fällen sind es übrigens die Badegäste oder Parkbesucher, welche sich über „von Gänsen vollgekotete“ Wiesen und Wege empören, sondern es sind vielmehr und vornehmlich kommerziell orientierte „Tourismus-“ und „Freizeitunternehmen“ aller Couleur, welche ihren Bekämpfungs- und nicht selten gar Vernichtungswünschen - Gehör zu verschaffen trachten.

Im Fall des Jungvogelmassakers am Unterbacher See / Düsseldorf war es Medienberichten zufolge der „Zweckverband Erholungsgebiet Unterbacher See“, welcher bei der Bezirksvertretung um die Abschussgenehmigung der Jungvögel ersuchte. Diesem wurde ohne jede vorherige Anhörung entsprechender Fachkreise – wissenschaftliche Kompetenz bezüglich des behaupteten „Gänseproblems“, dessen Ursachen so wie auch entsprechende Lösungsansätze hätte sich zweifellos etwa in der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) finden lassen – behördlicherseits stattgegeben. Bruch sämtlicher ethischer Normen und Verhöhnung des frisch ins GG aufgenommenen "Staatszieles Tierschutz"im Rahmen einer Allianz aus kommerzgeilen Apologeten des Tourismus- und Freizeitbusiness auf der einen, so wie die Genehmigung eines brutalen Massakers an flugunfähigen Gänsen stupide als Verwaltungsakt handhabender Bürokratieapparat auf der anderen Seite. Hinzu kommt gleich ein ganzes Heer allzu bereitwilliger Vollstrecker die sich anbiedern, die jeweils vorgesehene Drecksarbeit zu übernehmen. 

Die ganze deutsche Historie in einem Satz formuliert: Stets alles bewältigt, dabei nichts begriffen - geschweige denn irgendetwas für die Zukunft dazugelernt. "Weltspitze" will man hierzulande schließlich sein, redet im Rausch des Größenwahns ungeniert von "Leitkultur" daher und sieht sich - völlig zu recht - unvermittelt als Schlusslicht am unteren Ende des Maßstabs aller Ethik und Moral wieder. 

Warum man sich indes jeder wissenschaftlichen Kompetenz bezüglich der angedachten Bekämpfungsfeldzüge gegen die Gänse in NRW aus dem Wege zu gehen bemüht, wird unmittelbar bei der Lektüre einer Publikation der „Projektgruppe Gänseökologie“ der DO-G anschaulich klar: „Wissenschaftliche Stellungnahme zu Entwicklungen im Gänseschutz in Nordrhein-Westfalen – hier: Jagd auf Gänse“

Willige Vollstrecker des Todesurteils gegen die Gänse - wegen "Unerlaubtens kotens auf Liegewiesen" wahrscheinlich - ließen sich jedenfalls offenbar problemlos aus den Reihen der Jägerschaft rekrutieren. Deren Dachorganisation DJV stets nicht zuletzt ausgerechnet den „Tier- und Naturschutz“ als Zweck der Jagd nahe zu bringen trachtet und selbst Kindern an Schulen etwas vom „ehrenhaften Waidmann“ und dessen so genannter „Waidgerechtigkeit“ zu vermitteln sucht.

Ich empfehle allen an den derzeitigen Abschüssen beteiligten, freiwilligen oder gedungenen, Vogelhenkern, vor Betätigung des Abzugs einen Schulterblick nach hinten. Ich darf den Damen und Herren „Jägern“ hiermit das Versprechen geben, dass Mitglieder und Freunde der Gänsewacht vor Ort sein und euer Tun ausführlichst dokumentieren werden.

Auch werden wir uns nicht scheuen, Roß und Reiter beim Namen zu nennen. Gleiches gilt ebenso für alle an dieser Aktion beteiligten Bürokraten, deren Helfershelfern, Sympathisanten so erst recht für die Initiatoren dieses ungeheuerlichen Gemetzels.

Es ist gar nicht so lange her – einige Leser werden sich erinnern -, dass die Jägerschaft Aurich aus einer Petition gegen die Ausweitung der Jagdzeiten in Niedersachsen die Namen von Unterzeichnern extrahierte und daraus eine „Schwarze Liste“ generierte. Die Unterzeichner taten nichts anderes, als von ihrem verfassungsmäßig garantierten Rechten Gebrauch zu machen. Sie setzten sich öffentlich unter Nennung Ihres Namens im Rahmen einer Petition für ein von Ihnen als richtig und notwendig empfundenes Anliegen ein. Die Daten dieser Leute wurden willkürlich aus Tausenden Anderer der Unterschriftenliste entnommen und als „Gänse-Stasi“ diffamiert. Jene Namen und Gesichter der Blutrünstigen, welche wir publik machen werden, stehen hingegen in sehr konkretem, erwiesenen Kausalzusammenhang.

Die Damen und Herren Gänsemörder dürfen weiters versichert sein, dass wir sowohl die internationale Presse als auch internationale Vogelschutzorganisationen mit Dokumentationsmaterial versorgen werden. Die Zeiten, in denen sich in Deutschland im Stillen und Heimlichen Tötungs- und Vernichtungsaktionen durchführen ließen, sind Gott sei Dank vorbei. Dieses Paradebeispiel deutscher Heuchelei in Sachen Tierschutz und -Ethik wird man wie gesagt auch im Ausland zur Kenntnis nehmen.

Wer die sinnlose Tötung flugunfähiger Gänse fordert, genehmigt und auch ausführt, wird dies ab jetzt nicht mehr unter dem Schutz der Anonymität tun können.

Der Tod der Gänse hat Namen und Gesichter, welche die Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen wird. Dies verspreche ich hier und bei meinem Ehrenwort.

Werner Hupperich

PS: All Jene, die sich bei der "Zweckgemeinschaft Unterbacher See", welche die Abschussgenehmigung beantragte, derweil schon einmal für nunmehr saubere, gänsekotfreie Liegewiesen bedanken möchten, finden übrigens Kontaktadressen auf www.unterbachersee.com.