Aktion "Die Gänsewacht hilft"

Endlich mal ein Anliegen, das wir teilen - "Loch Unterbach" muss nicht nur sauber, sondern rein werden

Der Zweckverband Unterbacher See hat ein Problem mit Unrat und zeigt auf Kanadagänse. Wir von der "Gänsewacht" haben hingegen ein Problem mit verkehrt sortierten Prioritäten und zeigen deshalb dem Zweckverband, wo sonst noch überall am See was weg- bzw aufzuräumen wäre.
 
Von einer "Gänseplage" war am 01.08.2009 am Unterbacher See nicht viel zu sehen. Außer sieben Nilgänsen und ebenso vielen Kanadagänsen war von den gefiederten Dreckschleudern weit und breit keine Spur. Das war schon irgenwie enttäuschend, denn schließlich versprachen die über "Gänseplage" schwadronierenden Journalisten in ihren Artikeln etwas anderes: Tausende und Abertausende von Gänsen, welche die idyllischen Liegewiesen des Unterbacher Sees gleich Schwärmen Afrikanischer Wanderheuschrecken heimsuchen - und in nullkommanix die Blühenden Landschaften des Ruhrgebiets in tote Erde verwandeln, wobei im Anschluss dann nur noch Tonnen Gänsekot von der biblischen Heimsuchung durch die gefiederten Freß- und Scheißmaschinen künden. Naja. Möglicherweise hatten sich die Gänse an diesem Tag hinter den Menschenmassen der Ausflügler versteckt, oder aber der bereits auf dem Parkplatz Nase und Augen reizende beißende Gestank - die Rauchsäule deutete auf das Gelände des Campingplatzes als Epizentrum - nach Holzkohle und verbranntem Fleisch stand in Zusammenhang mit den anscheinend recht spontan verschwundenen Heerscharen an Gänsen. Wie auch immer: Wenn man schon einmal zu (Hoch-)Betriebszeiten des Wochenendes dort ist, so dachten wir uns, könnte man ja eben diesen in seinen Effekten, Wirkungen und Nebenwirkungen, studieren und protokollieren. Gesagt, getan. Im Slalom entgegenströmenden Inlineskatern, Nordic Walkern, frustriert dreinblickenden Joggern und hinterrücks heranschnellenden Rennradfahrern ausweichend, dabei stets Acht gebend, nicht während unserer teils filmreifen Ausweichmanöver in die allgegenwärtige Hundescheiße zu treten, begaben wir uns auf einen Rundgang um den See.

Obwohl uns nur wenige Stunden vergönnt waren, um dieses Highligt industrieller Naherholungsproduktion in Augenschein zu nehmen, war diese Exkursion doch derart ergiebig, dass wir in Kürze noch detailliert über die "Sehenswürdigkeiten" in gesondertem Artikel zu berichten haben werden. Hier und jetzt soll es um etwas anderes gehen.

Wer am Unterbacher See die Liegewiesen beschmutzt, dem droht - wir haben darüber berichtet - die Todesstrafe. Einzige Ausnahme: Beim "Beschmutzer" handelt es sich nicht um eine Gans. Den Mitgliedern des Zweckverbandes ist also offenbar dermaßen an Sauberkeit und Ordnung gelegen, dass sie selbst den Abschuss von Jungvögeln als probates Mittel zur Befriedigung ihres Sauberkeitsbedürfnisses betrachten. In ihren Augen ist also das hinterlassen von Kothäufchen - von welchen übrigens im Fall der Gänse keinerlei gesundheitliche Risiken für Menschen ausgehen - ein "vernünftiger Grund" zur Tötung eines Wirbeltieres.

Das ist durchaus bemerkenswert, denn selbst Patienten mit neurotischen Zwangsstörungen wie z.B. Waschzwang pflegen Wirbeltieren kein Leid anzutun. Gehen wir deshalb einmal davon aus, dass es dem Zweckverband mit seinem Anliegen ernst, und dass dieses Anliegen eben vielleicht doch nicht unbedingt Symptom einer Zwangsstörung ist. Wer also aus tiefster innerer Überzeugung in der allumfassenden Sauberkeit seinen Lebenszweck sieht , diese quasi als Göttliche Ordnung nebst weltlichem Durchsetzungsgebot zu begreifen scheint, dem gehört umgehend geholfen.

Nein, nicht, wie Sie jetzt vielleicht denken, von Leuten mit roten Autos und in weißen Turnschuhen (wir hatten uns ja schließlich auf die hypothetische Annahme geeinigt, die Mitglieder des Zweckverbandes seien klaren Verstandes), sondern ganz praktisch und ganz konstruktiv.

Es ist ja in der Tat manchmal sehr schwer, den Überblick zu behalten. Da haben die Saubermänner und -Frauen des Unterbacher See den festen Willen gefasst, ein blitzblankes Naherholungsgebiet Wirklichkeit werden zu lassen - und übersehen in ihrem Elan und ihrer selektiven (Gänse-)Wahrnehmung womöglich entscheidende Schmuddelecken. Dem kann die Gänsewacht natürlich nicht ruhigen Gewissens zusehen. Da muss man eben auch selbst angehenden Gänsemördern entgegen kommen, über seinen eigenen Schatten springen und selbst ethisch/moralischen Blindgängern - wenn aus Ekel vor selbigen sicherlich schon nicht die Hand - zumindest einen Besen reichen. Wenn auch nur symbolisch, denn faktisch müssen sich die Mitglieder des Zweckverbandes mit Hinweisen bezüglich Orte und Stellen begnügen, wo solch Besen in Anschlag zu bringen wäre. Immerhin: Besser Besen zum Reinemachen in Anschlag, als Knarre zum Gänsetotschießen.

Damit auf Grund unserer großzügigen Hilfe allerdings nicht der Ehrgeiz der Saubermänner von Loch Unterbach leidet, gibt es hier nur eine kleine Auswahl aus vielen Fotos mit präziser Zeit- und Ortsangabe. Ob (und wann) sich der auf den anderen Fotos dokumentierte Dreck bewegt, werden wir im Rahmen eines kleinen Experimentes regelmäßig erfassen. Wir haben ihn schließlich ohne große Suche ausfindig zu machen vermocht, da sollte es den ebenso ambitionierten wie ortskundigen Zweckverbändlern ein Leichtes sein, den Dreck aufzuspüren und zu beseitigen. Mal schauen, ob sie's hinbekommen, die Gänsehasser.

Wir werden unsere Besucher jedenfalls darüber weiter auf dem Laufenden halten.

Werner Hupperich