Infostand am 26.07.2009 in Mülheim / Ruhr

Das schöne Wetter des vergangenen Sonntags nutzte die "Gänsewacht" spontan, um gemeinsam mit der "Interessengemeinschaft zum Schutz der Kanadagänse" auf der Schleuseninsel in Mülheim an der Ruhr einen Infostand zum Thema Ausweitung der Jagdzeiten auf Gänse zu betreiben. Wenngleich es sich um die nunmehr vierte gemeinsame Aktion dieser Art in diesem Jahr handelte, so war doch einiges an diesem Tage anders: Einerseits wurde diese Aktion aus Anlass des aktuell genehmigten Abschusses von Junggänsen in NRW spontan, d.h. ohne vorherige Presseankündigung o.ä. durchgeführt. Um so überraschender war für uns der Erfolg dieser Aktion.

Von wegen, "Die Leute wollen den Abschuss der Junggänse!"

Es war schon merkwürdig, an diesem Sonntag. Für gewöhnlich schauen sich die Passanten skeptisch das ausgelegte Infomaterial an, stellen Fragen zum Thema, legen ihre eigenen Ansichten und Standpunkte dar, und man diskutiert mit ihnen. Das ist gut und richtig so, denn nur durch Information in Verbindung mit Argumentation lässt sich ein Thema in der notwendigen Gründlichkeit vermitteln. Dass hingegen Leute bereits nach kurzer Lektüre eines Zweizeilers mit der Kernaussage Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Junggänsen in Düsseldorf erteilt mit gezücktem, eigenen Kugelschreibern zielstrebig auf die ausgelegten Unterschriftenlisten zumarschieren - das war selbst für uns eine neue Erfahrung. Obwohl Mülheim an der Ruhr - nach diversen hetzerischen Presseartikeln in der Vergangenheit - heute ebenfalls ein ziemlich heißes Pflaster für Gänse (O-Ton einer älteren Dame: "Die lungern immer vor der Stadthalle herum!") ist, fand sich nicht eine einzige Stimme unter den Besuchern unseres Infostandes, welcher auch nur das geringste Verständnis für den Abschuss der Junggänse zu entnehmen gewesen wäre. Im Gegenteil: Das Spektrum reichte von kopfschüttelndem Unverständnis über schierem Entsetzen bis zum Versprechen, künftig einen großen Bogen um die geschäftlichen Unternehmungen - Freibäder, Campingplätze etc. - der Antragsteller der Abschussgenehmigungen zu machen. Ungehalten und empörte Reaktionen herrschten ebenfalls in Bezug auf die Leichtfertigkeit, mit welcher die Obere Jagdbehörde Düsseldorf der "Formalität" des Antrags - faktisch auf Hinrichtung flugunfähiger Junggänse - wohlwollend und unreflektiert zugunsten der Antragsteller Folge leistete. Nicht zuletzt aus Gründen des Jugendschutzes ersparen wir und an dieser Stelle die wortgetreue Wiedergabe einiger Bemerkungen auf die Zitierung der Beamtin Kirsten Kempe der Oberen Jagdbehörde D'dorf, welche der Presse auf die Frage, ob sie auf Grund zunehmender Kritik ihre Entscheidung der Abschussgenehmigung nicht zu revidieren in Erwägung ziehe, sagte: "Wenn einmal geschossen wird, dann bleibt das auch so."

Nur gut, so sieht man sich abschließend anzumerken genötigt, dass Frau Kempe nicht den Posten einer Verteidigungsministerin inne hat. Aber das Schadenpotential langt auch in der Bearbeitung von an die Oberere Jagdbehörde gerichteten Anträgen auch so allemal - wie man sieht

 

 

 

 

 

Eine Form, uns auch ohne Worte "Danke!" zu sagen: Kanadagänse am späten Abend über der Ruhr auf dem Weg zum Schlafplatz.